Geschichte

Unser Literatur-Tipp:

Pollack, Rainer; Brugger, Alexander und Brugger, Otto: "Der Felbertauern und das Matreier Tauernhaus"

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Über die Geschichte des Matreier Tauernhauses

Die Geschichte des Tauernhauses reicht weit zurück.

Graf Heinrich, der letzte des Geschlechts der Grafen von Lechsgemünd verkaufte seine Rechte im heutigen Osttirol im Jahre 1207 an den Erzbischof von Salzburg. In diesen Zusammenhang ist auch die Widmung des Matreier Tauernhauses vom Schwaiggut (Viehhof) zum Tauernhaus einzuordnen.

Um das 12. Jahrhundert wurden vornehmlich im Alpenraum Viehhöfe, „Schwaigen“, errichtet. Durch den einsetzenden Landhunger der ländlichen Bevölkerung entstanden Ansiedlungen auch in Nebentälern und höheren Regionen. Schwaigen waren Dauersiedlungen und keine Almen (also nur im Sommer genutzte Siedlungen). Die großen Grundbesitzer, darunter auch die Erzbischöfe von Salzburg, denen ganze Täler gehörten, hatten selbst ein Interesse, dass viele dieser Güter und Siedlungen gegründet wurden. Das Vieh wurde vom Grundherrn gestellt, die Errichtung der Gebäude, die Nutzbarmachung und Bestellung der Felder blieb dem „Schwaiger“, dem Bewirtschafter überlassen. Dieses Verhältnis basierte auf einer Abgabepflicht. Je nach Größe der Schwaige und Beweidungsmöglichkeit waren jährlich 300 Käse (meist Schafs- oder Ziegenkäse) zu zinsen, Doppelschwaigen wie die späteren Tauernhäuser Schößwendt und Spital waren mit 600 Stück belastet. Für das Matreier Tauerntal betrug der Viehstand pro Schwaige 12 Kühe und 120 – 150 Schafe. Als Unterstützung für die Gebäude bekamen die Bauern gewisse Bezüge an Holz („Holzservitute“). Im späten 15. Jahrhundert wurden die Käsedienste in Geldzins und Schmalzdienste umgewandelt. Trotz der unverkennbaren Vorteile für den Schwaiger war das Leben hart. Die Abgaben mussten alljährlich rechtzeitig erfolgen (ca. 1/3 der erwirtschafteten Menge an Käse usw.).

Der Salzburger Erzbischof war aus wirtschaftlichen Gründen am Saumhandel über den Felbertauern interessiert, da er von der eingehobenen Maut profitierte. Zwischen 1300 und 1550 blühte der Handel über den Felbertauern. Um diesen Saumhandel über den Felbertauern zu unterstützen, wurden neben dem Tauernhaus Schößwendt und Spital auf der Nordseite auch das Matreier Tauernhaus auf der Südseite des Felbertauern eingerichtet. Sinn und Zweck der Tauernhäuser war es, die Dauer des Übergangs zu verkürzen, um somit lange Wegstrecken ohne Zufluchtsmöglichkeiten zu vermeiden. Für das Offenhalten des Weges über den Felbertauern und die Verpflegung der „Übergiener“ erhielt der Matreier Tauernwirt vom Erzbischof Provisionen, die zuerst in Naturalien, später in Geld ausbezahlt wurden.

Das Salz, das weiße Gold, war das wichtigste Handelsgut über den Felbertauern nach Venedig. Außer Salz säumte man in den Süden noch Metalle, Häute, Wolle, Loden, Leder, Leinwand, geräuchertes Fleisch und auf dem Rückweg in Richtung Salzburg nahmen die Säumer Wein, Decken, Teppiche aus dem Defereggental, Gewürze, Öl und Tabak mit. Für den Salztransport wurde ein Ross mit zwei Salzstöcken (Fuder) beladen. Die Rösser (Pinzgauer Noriker) konnten einen so genannten Ross-Saum mit 168 kg über den Tauern tragen.

Für die Bauern war das „Tauernsäumen“ ein willkommener Nebenerwerb. Oft versuchten sie es mit nur einem Pferd, wobei oft die Ware nicht bezahlt und das Pferd nur geborgt war. Auch arme Leute versuchten mit Kopfkraxen hauptsächlich Branntwein zu säumen.

Die Säumerzeit ist längst vorbei, lediglich die alte Bauernstube im Tauernhaus erinnert noch an vergangene Zeit. Zu Ehren des Hl. Bartholomäus (24. August), dem die Tauernhauskapelle geweiht ist, findet stets am darauf folgenden Sonntag der Tauernhauskir(ch)tag statt.

Tauernhäuser

Die jeweiligen Landesfürsten waren aus wirtschaftlichen Gründen am Saumhandel interessiert, da sie durch die eingehobene Maut auf die Waren nicht schlecht verdienten. Um diesen Saumhandel zu unterstützen, wurden an den Tauernübergängen sog. Tauernhäuser errichtet. Sie sind eine typische Errungenschaft der Salzburger Erzbischöfe.

Für den Felbertauern waren dies auf der Nordseite das Tauernhaus Schößwendt, Spital und die Schwaigen Oberreit und Rain, auf der Südseite das Matreier Tauernhaus.

Sinn und Zweck der Tauernhäuser war es, die Dauer des Übergangs auf ein Mindestmaß zu verkürzen, so dass keine langen Wegstrecken ohne Zufluchtsmöglichkeit entstehen sollten. Es kann davon ausgegangen werden, dass bereits die Römer an den wichtigsten Übergängen sog. Mansionen (Weghäuser) und Hospize errichtet haben. Dafür erhielt der Tauernwirt Tauernpfründe bzw. Tauernprovisionen, zuerst in Naturalien, später in Geld.

Tauernwirte - Matreier Tauernhaus

1448 Erste urkundliche Erwähnung Fritz Kaltenhauser, Liennhard Lasacher, Anna Ichensl
1485 Ulrich von Kaltenhausen
1530 Jakob, Johann, Riepl zu Kaltenhaus
1553 Sigmund Kaltenhauser
1557 Wolfgang Kaltenhauser
1572 Hanns Perger
1580 Veit Perger
1582 Hanns Perger
1600 Jakob Perger
1626 Abraham Perger
1630 Veit Perger und Erben des Abraham Perger
1650 Stefan Perger
1682 Michael Perger
1700 Veit Presslaber
1709 Stefan Perger
1748 Josef Perger
1756 Stefan Perger
1761 Sebastian Perger
1781 Johann Perger
1800 Simon, Ruppert, Edmund Riepler
1807 Simon Riepler jun.
1819 Raimund Riepler
1847 Johann Senfter
1849 Peter, Johann und Ursula Stampfer
1851 Sebastian Berger
1870 Alois Riepler
1880 Andrä Riepler
1911 Alois Riepler
1913 Peter Brugger, Johann Wibmer in Pacht
1928 Josef Riepler
1929 Genovefa Riepler in Pacht
1930 Genovefa Riepler heiratet Paul Brugger
1940 Genovefa und Paul Riepler Kauf
1972 Otto Brugger
2001 Anneli und Andreas Brugger

Felbertauern

Benannt nach dem Mittersiller Ortsteil Felben (= Weide, mittelhochdeutsch), war lange Zeit auch unter den Namen „Windisch- Matreier Tauern“ und „Ganzer Tauern“ bekannt und 1287 als „Velber Thaurn“ erwähnt. Der Name Ganzer Tauern ist auf die Besitzer der auf der Südseite des Tauern gelegenen Blechwang- bzw. Wohlgemuthsalm zurückzuführen, die diese jahrhundertelang innehatten. Ganzer ist ein Familien- und Hausname in Matrei.

Seit 1922 steht die St. Pöltener Hütte auf dem Felbertauern.

Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert:

Der ander Taurn, drei meill wegs von der Krüml herab, genannt der Velber Thaurn, der ligt gerat vom Gslos und Marckth Mittersill gegen Mittag durch ein Zwerchtall hinein, genannt die Velbm, vom Marckth bis gen Spitall ist ain Meill, von Spittal bis auf die Höch des Tauern, auch ain Meill, von danen hinaus geen Windisch Matrai drei Meill wegs darüber Sumer vnd Herbstzeiten ain Samer weg ist“.

Tauernopfer
„Der Tauern fordert jedes Jahr allemal einen Toten“

war am Felbertauern ein geflügeltes Wort. In den Matriken der Pfarrei St. Alban in Matrei in Osttirol sind im Zeitraum von 1559 – 1904 90 eingetragen, die ihr Leben am Tauern ließen, in den Mittersiller Aufzeichnungen sind nur 40 Namen aufgeführt.

Am häufigsten kamen Unglücksfälle in den Monaten April, Oktober und November vor. Selbst in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar sind 13 Namen verzeichnet, da der Felbertauern auch im Winter bei hoher Schneelage begangen wurde.

Eines der berühmtesten Tauernopfer war der berühmte Mittersiller Bildhauer Petrus Schmid, der für die Matreier Kirche den Hochaltar schnitzen sollte. Auf dem Tauern ermattete er mit seinem Bergleiter und erfror bei eisiger Kälte in den Schneemassen.

Dramatisch auch am 28. Mai 1878 das große Tauernunglück beim Viehtrieb, bei dem mehrere Treiber und etwa 250 Rinder und Pferde und 50 Ziegen auf der Nordseite des Felbertauern zum Hintersee hinunterstürzten und starben.

Das Jahr 1207 in der Geschichte des Tauernhauses

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts waren die Grafen von Lechsgemünd Grundeigentümer im Einflussbereich der Felbertauern. Durch den Besitz der Burgen Mittersill, Sulzau und Weißenstein bei Matrei lag die vollkommene Kontrolle des bedeutenden Handelsweges von Norden über den Pass Thurn und den Felbertauern in Lechsgemünder Händen. Zu Lebzeiten schloss Heinrich IV. , letzter Vertreter des Geschlechts einen Erbvertrag mit dem Erzstift Salzburg, die Besitzungen in Matrei betreffend. 1207 erlangte dieser Vertrag unter Erzbischof Eberhard II. Endgültigkeit. Matrei und das Tauerntal waren nun salzburgisch. Und aus der größten Tauernschwaige wurde das Matreier Tauernhaus.

Mehlstraßenbau und Felbertauernstraße

Bereits 1876 existierte der Plan, den bisherigen Saumpfad von Matrei zum Tauernhaus auszubauen. Die Pläne verschwanden wieder in der Schublade und der Bau der Großglockner-Hochalpenstraße verhinderte eine Neuaufnahme des Projekts. 1932 entschloss man sich dann doch, den Tauerntalweg zu bauen. So wurden auch in der schwierigen wirtschaftlichen Zeit vorübergehend Arbeitsplätze geschaffen. Die Gemeinde hatte zur Linderung der Versorgungslage große Mengen Mehl bekommen. Diese wurden als Lohn ausgezahlt. Pro Schicht wurden 7 kg Mehl ausgezahlt, daher der Name „Mehlstraße“.

Am 25. Juni 1967 war das Jahrhundertprojekt der Iseltaler, Osttiroler und Pinzgauer größtenteils vollendet. Fast genau fünf Jahre hat der Bau der Felbertauernstraße gedauert, die aufgrund des Tunnels eine ganzjährige Verbindung zwischen den Bundesländern Salzburg und Osttirol herstellt. 15 Arbeiter mussten im Kampf gegen die Natur ihr Leben lassen. Bereits 1895/1896 existierten Pläne für eine Felbertauernbahn, die Lienz mit Kitzbühel verbinden sollte, realisiert wurde aber die Bahn zwischen Mallnitz und Gastein.

Tauernhauskapelle/Felsenkapelle
Etwa um 1700 erbaut. Bereits 1783 ist zu lesen, dass die „alte Kapelle“ baufällig geworden ist. Bereits am 2. März 1778 lieferte Thomas Mayr, „bau et maurer meister, Lienz“, einen Riss für die neue Tauernhauskapelle. Unter dem Tauernhauswirt Raimund Riepler hat Simon Köfler, Bauzeichner und Maler in Windisch-Matrei, am 17. Jänner 1838 zwei Risse, einen mit Bleistift und einen vollständigen zur Tauernhauskapelle geliefert. 1845 war sie fertig gebaut. Während des II. Weltkriegs wurde die Kapelle der Glocke beraubt. Sie wurde eingeschmolzen. Nach dem Krieg kamen zwei Glocken von Huben auf das Tauernhaus-Kirchlein.
weiht ist die Kapelle dem Heiligen Bartholomäus (Patrozinium 24. August).
Die Felsenkapelle im Gschlöß („Kapelle zu Mariae Geburt“), entstand der Legende nach aus Sühne nach einer überwundenen Liebestragödie. Aus überlieferten Akten geht hervor, dass Marienerscheinungen zwischen den Almhütten und „in grobem gemeyr“ den Anlass gegeben haben. Es wird auch von Kreuzgängen und einem geschehenen Wunder berichtet. 1688 errichtet und zweimal von Lawinen zerstört. 1870 in einem riesigen Felsblock angelegt, renoviert 1970.

Tourismus

Nachdem der Felbertauern an Bedeutung verlor, eroberten die ersten Touristen das Gschlöß und seinen bedeutungsvollen und berühmten Bergkranz mit dem Schlatenkees. Der Saumhändler und Viehtreiber wurde durch die Sommerfrischler und Bergsteiger ersetzt. Der Wegbereiter des Fremdenverkehrs in Matrei und im Gschlöß war der Alpenverein, der aus dem Zusammenschluss des 1867 gegründeten Deutschen und des seit 1862 bestehenden OeAV entstand. 1865 wurde der Großvenediger (3.674 m) erstmals von der Matreier Seite erstiegen. Bereits 1871 entstand am Fuß des Großvenedigers eine der ersten Alpenvereinshütten, die alte Prager Hütte, 1904 die Neue Prager Hütte.




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Über das Gschlöß

Im schönsten Talschluß der Ostalpen

Bereits im 5. Jahrhundert nach Christi Geburt erfahren wir erstmals etwas vom "zelezo", dem slawischen Begriff für Eisen, das dem Innergschlöß seinen Namen gab. Um das Jahr 1100 wurden auch in den hintersten Tälern Behausungen errichtet, sogenannte Schwaigen, die als Viehhöfe dienten.

Im Spätmittelalter wurden "Alpordnungen" erlassen, die regelten, welche Nutzungsrechte jedem Bauern zustanden. So war und ist es auch im Innergschlöß, das von Matreier Bauern genutzt und bestoßen wird.

Außergschlöß und Innergschlöß


Hinter dem Matreier Tauernhaus und der Wohlgemuths-Alm beginnt die letzte Steilstufe des Tauerntals. Eine Gehstunde vom Tauernhaus entfernt, liegen die malerischen Almdörfer Außer- und Innergschlöß und die in den gewachsenen Felsen gehauene Felsenkapelle.
Der Osttiroler Maler Franz von Defregger verbrachte 1865 einige Monate im Gschlöß, wo er eine Almhütte gemietet hatte, um seine Skizzenbücher mit Zeichnungen von Bergen, Tieren, Almhütten und Almleuten zu füllen.
Berühmt ist der Blick vom Gschlöß zum Großvenediger mit seinem Schlatenkees (Gletscher).



Saumhandel



Auf´n Tauern tuat´s schauern

"Vater unser im Himmel ..." betet aus tiefster Seele der Ronacher Gustl und die anderen Säumer fallen murmelnd mit ein. Der Tauernwind tost und schiebt Schneefahnen dem Felbertauern zu. Eiseskälte kriecht herauf. Das Orgeln und Pfeifen des Tauernwindes ergibt eine realitätsentrückte, gespenstische Stimmung.

Es ist Anfang September und der historische Säumerzug ist am Zirbenkreuz in 1984 m Höhe zum Scheitern verurteilt. Es hat bereits am Matreier Tauernhaus zum Schneien begonnen, dem altehrwürdigen Hospiz am gefährlichen Übergang über den Tauern, das um 1207 als Schwaighof vom Salzburger Erzbischof gegründet wurde. Der Tauernwirt erhielt früher für die Aufrechterhaltung des Saumweges eine materielle, später eine finanzielle Unterstützung. Dafür war das Tauernhaus, 15 km von Matrei entfernt und nur über einen elenden Karrenweg erreichbar, ganzjährig bewohnt.


Der Samerzug auf dem Weg zum Zirbenkreuz




Die Sterbematriken von Matrei sprechen in deutlichen Zahlen - 90 Tauernopfer sind zwischen 1559 und 1904 verzeichnet. Der alte Tauernweg, der in unzähligen Kehren zum Zirbenkreuz hinaufführt, ist für Mensch und Tier beschwerlich zu gehen. Ein altes Marterl mahnt: "Bereue deine Sünden, noch ist es Zeit, denn kurz ist das Leben und lang die Ewigkeit. Mancher ging über den Tauern und fand dabei den Tod. Ich gehe mit dir hinüber und schütze dich in der Not".

Die Pinzgauer Noriker, eine gebirgstaugliche Pferderasse, die besonders zum Säumen von Waren geeignet war, und ihre Treiber müssen umkehren. Die Verwendung der schweren Pferde in der Berglandwirtschaft unter extremen Bedingungen erfordern viel Muskulatur, robuste Gesundheit und Trittsicherheit in schwierigem Gelände. Heute sind sie die Strapazen nicht mehr gewohnt. Am Paß liegt knapp ein ¾ Meter Neuschnee. An einen Übergang über die St. Pöltener Hütte zum Tauernhaus Spital auf der Mittersiller Tauernseite ist heute nicht zu denken.


Der Samerzug beim Tauernhaus Spital


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