Säge mit Venezianergatter

 Bäuerlicher Erfindergeist

Eine Rarität wurde beim Tauernhaus wieder zu neuem Leben erweckt. Eine alte Bauernsäge mit Venezianergatter, eine der letzten ihrer Art in Osttirol, wurde durch den Tauernwirt Otto Brugger und den Nationalpark restauriert. Die Säge ist etwa 200 Jahre alt.

Der Name stammt von Venedig, der im 15. Jhd. blühenden Handelsstadt. Für den Aufbau der mächtigen Flotte und für die Pfahlbauten wurden Unmengen von Holz benötigt. In den Venezianischen Alpen begann man daher, eine wasserbetriebene Säge einzusetzen.

Tauernsäumer dürften die Technik bei ihren Handelsgeschäften kennen gelernt und sie in diesen entlegenen Winkel der Alpen mitgebracht haben.

Die Errichtung der Sägen erfolgte durch die Mühlbauern, die ihr enormes technisches Wissen von Generation zu Generation weitergaben. Im Gegensatz zu den Getreidemühlen standen die meisten Sägen im Eigentum von Privatpersonen, die alle Arbeit auf Lohnbasis selbst erledigten.

Um ein Brett herunterzuschneiden bedurfte es einer speziellen Bedienung und nur die "Sagmeister" beherrschten dieses Handwerk im gefühlvollen Zusammenspiel mit dem Wasser.

Auf einer Art "Wagen auf Rollen" bewegte sich der eingespannte Baumstamm einem Sägeblatt zu, das wiederum auf einem "Gatter" fixiert war. Durch eine faszinierende Konstruktion lassen sich die Bretter in verschiedenen Stärken schneiden.

Heute, wo das Venezianergatter nach alten Aufzeichnungen vollständig renoviert ist, lässt uns die 500 Jahre alte technische Leistung staunen.

Damals schon erkannte technische Grundfunktionen wie Schrauben, Kurbeln, Nocken haben sich nicht verändert und werden heute noch im Maschinenbau verwendet.

Im Mittelalter breiteten sich die bäuerlichen Sägemühlen rasch in den Alpentälern aus - Holz wurde nun zum wichtigsten und vielseitigsten Rohstoff. Nicht nur die Bauern, auch die Landesherren benötigten für den Bergbau Holz in Massen, was zu enormen Nutzungskonflikten und massiven Kahlschlägen führte.

Die Sägestandorte wurden nach dem Bedarf festgelegt. Dafür ausschlaggebend waren geeignete Gewässer als Energiequelle und ertragreiche Wälder, aber auch Siedlungen und Almdörfer wie beim Matreier Tauernhaus.

Um 1935 gab es noch 3.488 Sägemühlen in Österreich. Die meisten fielen dem technischen Fortschritt und der Gewässerregulierung zum Opfer.

Mit der Revitalisierung des Venezianergatters beim Matreier Tauernhaus wurde eine der letzten Sägen dieser Art in Osttirol erhalten.


Auf Anfrage sind wir gerne bereit, dieses Relikt aus der guten alten Zeit mit technischer Raffinesse vorzuführen.